Kommentar - "Lautlose Gewalt: Die Macht der digitalen Demütigung"

2/5/20261 min read

Von Selina Hart

Wir müssen aufhören, die Digitalisierung an Schulen nur an der Zahl der ausgegebenen Tablets zu messen. Die Mauern der Klassenzimmer wurden längst aufgebrochen - und zwar durch das Gerät, das jeder Schüler bei sich trägt. Was nur als ein unschuldiges Spielzeug eingeführt wurde, hat sich zu einem Werkzeug von Mobbern und Hass entwickelt, das keinen Feierabend kennt. Betroffene werden meist täglich und den ganzen Tag davon beeinflusst und wer Cybermobbing als eine harmlose Randerscheinung abtut, hat nicht verstanden, wie radikal diese Angriffe die Psyche junger Menschen heute belasten können.

Mit zunehmendem Hass in den sozialen Medien gegen fremde Menschen steigt auch der Hass gegen Menschen aus dem Umfeld. Doch beides muss unterbunden werden, eine Lösung liegt laut vielen Artikeln mittlerweile auf der Hand: das verpflichtende Modul “Digitale Ethik”, das einen immer wieder in der Schullaufbahn begegnet. Im Jahr 2026 ist es wichtig, ein Tablet bedienen zu können, aber zur Medienkompetenz gehört auch das Erlernen digitaler Empathie und der Schutz der psychischen Integrität dazu.

Ein übliches Argument ist, dass die Schulen bereits mit dem Kernlehrplan überlastet seien und die Medienerziehung reine Privatsache der Eltern sei. Doch wenn man sich allein die Klassenchats der Schüler ansieht, ist diese Haltung nicht mehr haltbar. Fachlicher Unterricht verliert seine Grundlage, sobald die soziale Basis eines Klassenbündnisses durch Hass zerstört wird. Schulen sollten sich nicht aus der Verantwortung ziehen, wenn Kinder in ihrem Elternhaus allein gelassen werden. Schon der Versuch, Cybermobbing vorzubeugen, mit Hilfe von Aufklärung darüber, was das überhaupt ist was dazugehört, wie man es erkennen kann und an wen man sich wenden kann, wäre eine Antwort gegen die Gewalt im Internet.

Wir dürfen digitale Souveränität nicht mehr dem Zufall überlassen und das Problem angehen. Mehr Präventionsarbeit der Schulen ist ein guter Anfang, um gegen diese Ungerechtigkeit im Netz vorzugehen. Wer hier zögert, lässt eine Generation von Schülern allein, die zwar technisch vernetzt, aber menschlich oft tief gespalten sind.