Social Media: Zwei Seiten einer Medaille

2/5/20264 min read

von Freya Weiß

“Es gehört einfach zum Geist der Zeit aber wir müssen den Kindern und Jugendlichen helfen einen gesunden Umgang zu finden”- Frau Güttler, Heilpädagogin und Mutter

Früher trafen sich Jugendliche ausschliesslich draußen auf der Straße oder beim Kiosk um die Ecke, heute findet auch ein großer Teil des sozialen Lebens online statt. Jugendliche nutzen das Internet vorwiegend für Messenger Dienste und Soziale Medien, vor allem die Apps Whats App, Instagram und TikTok werden von Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren täglich genutzt (Internationales Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen, S.40f.). Auch die Heilpädagogin Frau Güttler hat in ihrem Berufsalltag mit Jugendlichen gemerkt welche zentrale Rolle soziale Medien und das Internet für Heranwachsende spielt. Sie erzählt von ihren Erfahrungen: “Ich sehe es so, dass man es nicht nur verteufeln kann, es gehört einfach auch zum Geist der Zeit aber wir müssen lernen einen Umgang damit zu finden und den Kindern und Jugendlichen es vorzuleben”. Sie sieht die Verantwortung vor allem bei den Erwachsenen, den Heranwachsenden dabei zu helfen einen guten Umgang mit ihrem Konsum zu finden. Auf diesem Weg sollte ermöglicht werden, auch die positiven Aspekte zu nutzen und sich nicht von der Gesellschaft auszuschliessen, gleichzeitig dürfen die Gefahren und auch die pathologischen Risiken nicht ausser Acht gelassen werden.

Auf die Nachfrage inwiefern sie den Social Media Konsum in ihrem vorherigen Job im psychiatrischen Setting mit Jugendlichen erlebt hat muss die Heilpädagogin überlegen. Viele Geschichten seien ihr in ihrem Berufsalltag begegnet, da die Nutzung des Smartphones eine zentrale Rolle im Leben junger Menschen spielt. Trotz strenger Regeln und Einschränkungen bei der Smartphone Nutzung während einer Therapie, sollten die Jugendlichen dennoch nicht ausgeschlossen werden von ihrer digitalen Teilhabe und der Konsum wurde an die individuellen Probleme angepasst. Es gab leider auch Fälle bei denen beispielsweise Cybermobbing, also hasserfüllte Nachrichten und Kommentare gegenüber der betroffenen Person im Netz zu Rückschritten in der Therapie geführt hat und auch zu einer Verschlechterung von schonvorhandenen Symptomen, erzählt Frau Güttler mit einem besorgtem Blick.

Solche Fällebegegneten ihr öfter. Hier bedarf es hoher Aufmerksamkeit von sowohl Fachpersonal als auch derEltern und Erziehungsberechtigten. Ähnliches in Bezug auf die generelle Problematik der Nutzungsozialer Medien durch Jugendliche und junge Erwachsene berichtet auch die WeltGesundheitsorganisation WHO: “Mehr als jeder zehnte Jugendliche (11 %) zeigte Anzeichen einesproblematischen Verhaltens im Hinblick auf die sozialen Medien, hatte Schwierigkeiten, dieNutzung sozialer Medien zu kontrollieren, und hatte mit negativen Folgen zu kämpfen. DieAngaben von Mädchen deuteten auf ein höheres Maß einer problematischen Nutzung sozialer Medien hin als bei Jungen (13 % gegenüber 9 %).” (WHO Homepage: “Jugendliche, Bildschirmeund psychische Gesundheit”, 2024).

Dennoch ist es der Heilpädagogin wichtig auch von ihren positiven Eindrücken zu erzählen. Einwichtiger oft vergessener Aspekt ist ihrer Erfahrung nach, dass vor allem Jugendlichen die aneiner psychischen Erkrankung leiden und in einer absoluten Ausnahmesituation sind, sich ofteinsam und alleine fühlen. “Viele haben auch Mobbingerfahrungen, Vertrauensprobleme,Schwierigkeiten im Sozialkontakt oder jedenfalls eine Außenseiterrolle eingenommen” beschreibt Frau Güttler ihre Eindrücke.

Wenn diese Menschen im Rahmen einer Therapie auf andere ihres Alters treffen mit ähnlichen Erfahrungen, bilden sich in dieser Zeit oft auch Freundschaften und wichtige soziale Kontakte. Und genau hier sieht die Heilpädagogin dann eine Chance die soziale Medien bieten. Jugendliche können den Kontakt mit neu gewonnen Freunden auch nach ihrer Therapie noch online pflegen und somit ein Gefühl der Zugehörigkeit behalten. Vorteile wie soziale Vernetzung und Unterstützung untereinander sieht die WHO aber vor allem bei Jugendlichen die schon einen moderaten, nicht problematischen Social Media Konsum betreiben (WHO Homepage: : “Jugendliche, Bildschirme und psychische Gesundheit”, 2024).

Auf die Nebenwirkung bei eben nicht gesunder Nutzung weist Frau Güttler in diesem Kontext hin: nicht jede Vernetzung ist gesundheitsförderlich. Wichtig sei es deshalb jungen Menschen so früh wie möglich einen gesunden Umgang beizubringen. Sie hat konkrete Verbesserungsvorschläge für die Praxis. Als Mutter weist sie auf die Verantwortung von Eltern hin, den Social Media Konsum ihrer Kinder vor allem bis zu einem gewissen Alter zu überwachen um vor möglichen Gefahren im Netz zu schützen. Auch die dauerhafte Nutzung sieht sie kritisch, es sollte feste Zeiten geben an denen das Handy genutzt wird, um ein bewussten Konsum statt einer Art Automatismus zu entwickeln. Ein weiterer Tipp für Eltern den Frau Güttler mitgeben kann ist die Teilnahme an freiwilligen Angeboten von Schulen beispielsweise, sogenannte Medienelternabende, bei denen aufgeklärt und informiert wird. “So etwas sollte man als Eltern auf jeden fall machen, weil du verlierst ja sonst den Anschluss”, ,betont sie “Allein ich habe ja keine Vorstellung mehr davon was alles möglich ist, ich bin immer wieder überrascht auch im positiven Sinne und ich sehe es als unsere Pflicht als Erwachsene auf dem laufenden zu bleiben.”.

Doch nicht nur die Eltern tragen Verantwortung, die Heilpädagogin plädiert für verpflichtenden Medienpädagogische Angebote an Schulen. Die Stiftung Medienpädagogik Bayern der bayerischen Landeszentrale für neue Medien beteiligt sich auch in diesem Jahr zum Anlass des sogenannten Safer Internet Days welcher am10.Februar stattfindet an Aufklärung zum Thema Social Media. Unter anderem soll auch an 20 bayerischen Schulen zwischen dem 09. und 12. Februar Elternabende rund um dieses Thema veranstaltet werden (BLM Homepage: “Safer Internet Day 2026”, 2026).

Quellenverzeichnis:

https://izi.br.de/deutsch/Grundddaten_Jugend_Medien.pdf

https://www.who.int/europe/de/news/item/25-09-2024-teens--screens-and-mental-health

https://www.blm.de/de/wir-fuer-sie/blm-events/events-2026/safer-internet-day-2026.cfm

Dr. med. Bernd M. Kohlmann

Facharzt für Kinder- & Jugendpsychiatrie